Migrantenmedizin westend / Hoffnungsorte Hamburg - Ärzte der Welt e.V.

Angebot der Kontaktstelle

In den Räumen des Nachbarschaftstreffs westend im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg können sich Migrant(inn)en ohne Krankenversicherung und ohne geregelten Aufenthaltsstatus kostenlos beraten und behandeln lassen. Seit 2011 bietet der Verein hoffnungsorte Hamburg diese kostenlose medizinische Versorgung im Rahmen einer wöchentlichen Sprechstunde an. Hauptzielgruppe sind Menschen, die nach Deutschland eingewandert sind und die sich eine Krankenversicherung nicht leisten können.


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Das „westend“ ist ein Nachbarschaftstreff im multikulturellen und multireligiösen Stadtteil Hamburg-Wilhelmsburg mit dem Ziel, Kommunikations- und Vernetzungsstrukturen im Stadtteil aufzubauen und zu fördern. Träger sind die „hoffnungsorte hamburg“ (Verein Stadtmission Hamburg).

Das Projekt „Migrantenmedizin“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Migranten ohne Krankenversicherung, zum Teil auch ohne Papiere, den Zugang zu medizinischer Versorgung zu ermöglichen. Seit 2011 werden Menschen anonym und kostenlos medizinisch beraten – und an ein Netzwerk aus Ärztinnen und Ärzten, Apotheken, Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen vermittelt. Das Team arbeitet vorwiegend ehrenamtlich; die Dolmetscherinnen werden aus Spendengeldern finanziert.

Während der offiziellen Beratungszeit (Dienstag 9-11 Uhr) tragen sich die PatientInnen in eine im Wartebereich ausliegende Liste ein. Das Team nimmt im Verlauf der Sprechstunde alle PatientInnen an, die sich bis 11 Uhr eingetragen haben. Möglichst werden nur bis zu 20 PatientInnen angenommen, da das Team einer größeren Zahl nicht gerecht werden kann.

Aufgrund des großen Andrangs und der damit verbundenen längeren Sprechstundendauer wird seit Januar 2014 in zwei Schichten gearbeitet. Die Sprechstunde dauert in der Regel bis  15 oder 16 Uhr.

Alle Ärzte (derzeit zwei Ärzte, eine Ärztin), die regelmäßig bei der Sprechstunde mitwirken, arbeiten ehrenamtlich. Den Medizinern zur Seite gestellt ist stets eine Dolmetscherin für Türkisch (außer Türkisch werden im Team auch diverse weitere Sprachen gesprochen). Beide Dolmetscherinnen werden aus Spendengeldern bezahlt. Als drittes Teammitglied ist stets ein Assistent/eine Assistentin mit dabei, der/die sich um die "Logistik" kümmert: Vor- und Nachbereitung des Raumes, das Willkommenheißen der PatientInnen, die begleitende Dokumentation sowie die Terminvereinbarungen mit den kooperierenden Arztpraxen. Pro Sprechstunde sind aufgrund des Zwei-Schichten-Systems jeweils zwei ÄrztInnen, zwei Dolmetscherinnen und zwei AssistentInnen involviert. Melanie Stello als Projektkoordinatorin organisiert alle Abläufe rund um die Sprechstunde.

In der ersten Jahreshälfte 2014 wurden mehr als 500 Beratungen durchgeführt. Die Patienten kommen aus vielen verschiedenen Staaten – der Großteil jedoch (rund 90%) kommt aus Bulgarien. Viele der Patienten leben in prekären Verhältnissen und verdienen zu wenig, um sich den Mitgliedsbeitrag in einer Krankenversicherung leisten zu können. Ein Grund für die Konzentration bulgarischer Zuwanderer im türkisch geprägten Stadtteil Wilhelmsburg ist die fehlende Sprachbarriere, da viele von ihnen der türkischen Minderheit angehören.

Für Kinder ist die nichtvorhandene Krankenversicherung und die unsichere Lebenssituation besonders bedenklich. Viele junge Mütter kommen mit Kleinkindern, die noch nie eine U-Untersuchung hatten, oder Schwangere im 5. oder 6. Monat, die noch keinen Arzt gesehen haben.

Der Bedarf für Schwangere und Kinder ist groß, so dass entschieden wurde die Sprechstunde um eine regelmäßige Kindersprechstunde (1-2 mal monatlich) sowie eine Gynäkologische Sprechstunde (2 mal monatlich) zu erweitern. In der Vergangenheit konnten die Geburtskosten in mehreren Fällen von der ‚Clearingstelle‘ übernommen werden, einem beim Flüchtlingszentrum angesiedeltem Projekt. Die Clearingstelle war 2012 von der Sozialbehörde für drei Jahre eingerichtet wurden und übernimmt Behandlungskosten für Flüchtlinge ohne Papiere. In wenigen Wochen wird jedoch der Fonds der Clearingstelle aufgebraucht sein; vorauss. werden für EU-Bürger in 2015 keine Kosten mehr übernommen. .

Im ersten Halbjahr 2014 wurden für Medikamente, Behandlungen und Dolmetscherkosten rund 6.000,-€ ausgegeben (ohne die Personal- und Verwaltungskosten). Der Bedarf in 2015 wird durch die Erweiterung der Sprechstunde vermutlich etwa um das Doppelte steigen.