Ökumenische Fördergemeinschaft Ludwigshafen GmbH - Street Doc

Angebot der Kontaktstelle

Medizinische und zahnmedizinische Grundversorgung für Menschen am Rand der Gesellschaft, die den Zugang zum regulären Gesundheitssystem verloren haben.

Das Projekt „Street Doc“ reagiert auf prekäre Verhältnisse in der Gesundheits- und Hygieneversorgung in den vernachlässigten Wohngebieten Ludwigshafens, aber auch außerhalb derselben. Die Klientel besteht zu Teilen aus sozial isoliert lebenden Personen, die unter psychophysischen Beeinträchtigungen leiden.

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Das Projekt „Street Doc“ wurde von der Ökumenischen Fördergemeinschaft Ludwigshafen GmbH, gemeinsam mit dem Internisten Dr. Peter Uebel initiiert.
Das Projekt wird nur mit Spenden finanziert und wird getragen von den ehrenamtlich tätigen Ärztinnen und Ärzten, Zahnärztinnen und Zahnärzten, sowie den ehrenamtlichen Arzthelferinnen und Zahnarzthelferinnen. Insgesamt engagieren sich 10 – 12 Humanmediziner, 8-10 Zahnmediziner und ca. 16 Arzt-/Zahnarzthelferinnen.
Planung und Durchführung erfolgt in enger Abstimmung mit Dr. Peter Uebel für die Humanmediziner und Herrn Prof. Günter Dhom für die Zahnmediziner.

Im Gegensatz zu den meisten größeren Städten existierte in Ludwigshafen bis Herbst 2013 keine organisierte medizinische Versorgung für Menschen am Rand der Gesellschaft, die den Zugang zum regulären Gesundheitssystem verloren haben. Ab Oktober 2012 planten ehrenamtlich tätige Fachärztinnen und Fachärzte sowie Sozialpädagogen der Ökumenischen Fördergemeinschaft Ludwigshafen (ÖFG) die Implementierung einer spezifisch zugeschnittenen Hilfsmaßnahme. Bereits ein Jahr später 2013 konnte der „Street Doc“ seine Arbeit aufnehmen. Als ergänzendes Angebot kam im Frühjahr 2015 „Street Doc Dental“ hinzu, ein zahnmedizinisches Basisangebot für alle.

„Street Doc“ berücksichtigt die mangelnde Fähigkeit der Betroffenen, entsprechende Einrichtungen selbsttätig aufzusuchen; medizinische Erstversorgung, Beratung und – sofern möglich – Anbindung an eine Arztpraxis sind wesentliche Ziele, die nur durch Vor-Ort-Präsenz erreicht werden können. Zwei improvisierte Arztpraxen in den Brennpunkten Krobsburg-/Flurstraße, Bayreuther Straße sowie eine zentrale Praxis im Stadtteil Hemshof werden in Kooperation mit der Stadtverwaltung, und der Wohnungsbaugesellschaft GAG genutzt. Während die Humanmediziner in allen 3 Praxen behandeln, sind die Zahnmediziner nur in der zentralen Praxis, Dessauer Straße, anzutreffen. Dies ist der notwendigen technischen Ausstattung der Zahnarztpraxis geschuldet.

ZIELGRUPPE, ZIELSETZUNG

Das Projekt „Street Doc“ reagiert auf prekäre Verhältnisse in der Gesundheits- und Hygieneversorgung in den vernachlässigten Wohngebieten Ludwigshafens, aber auch außerhalb derselben. Die Klientel besteht zu Teilen aus sozial isoliert lebenden Personen, die unter psychophysischen Beeinträchtigungen leiden.
Die Gemeinwesenarbeit (GWA), wozu auch die Straßensozialarbeit gehört, begleitet das Projekt federführend in der Praxis. Immer wieder muss vor Ort Kontaktarbeit geleistet werden, damit eine wirksame Praxis erfolgen kann. Nur auf diese Weise ist es möglich, Hemmschwellen nach und nach abzubauen. Im Wesentlichen werden allgemeinmedizinische und zahnmedizinische Erstversorgung, psychosoziale Beratung sowie, falls möglich, Wiedereingliederung in das reguläre Gesundheitssystem geleistet.
„Street Doc“ ist an Bedarfslagen orientiert, die in der öffentlichen Wahrnehmung kaum vorkommen. Meist herrscht die Ansicht vor, Gesundheitsversorgung sei allen Bürgerinnen und Bürgern frei zugänglich. Die Praxis jedoch zeigt, dass zahlreiche Personen aus unterprivilegierten Milieus – oftmals bedingt durch Negativereignisse in ihrer Biografie – den Zugang zu medizinischer Betreuung verlieren und später nicht wieder finden. Bedenkt man die geringe Lebenserwartung in den betreffenden Kreisen und die leidvollen, teils katastrophalen Bedingungen, unter denen diese nicht selten desorientierten, teilweise intellektuell mangelhaft ausgestatteten Menschen leben, erscheint die Implementierung adäquater Hilfsmaßnahmen dringend geboten. Es gibt unterschiedliche Ursachen für das Fehlen einer Krankenversicherung: Entweder die Betreffenden haben keinen festen Wohnsitz, sind selbständig gewesen, ohne ausreichend Mittel erwerben zu können, haben einen ungeklärten Aufenthaltsstatus, sind Aussteiger oder schlicht unwissend. Aber auch Versicherte können in entsprechende Notlagen geraten, wenn erhebliche finanzielle und persönliche Problemlagen auftreten, Überforderung durch Zuzahlungen vorliegt oder (im Sinne einer „Milieuschädigung“) das soziale Umfeld und die individuelle Lebensführung eine sich stetig erweiternde Distanz von Kontexten regulierender Absicherung bedingen.
Seit jeher gehört die Anbindung unterversorgter Personenkreise an medizinische Einrichtungen zu den wichtigen, spezialisierte Kenntnisse voraussetzenden Tätigkeiten der Ökumenischen Fördergemeinschaft Ludwigshafen. Dass vor allem alleinstehende Erwachsene in Großstädten in diesem Bereich starke Defizite aufweisen, ist im Fachdiskurs auch in Ludwigshafen seit langem bekannt.

Als Kooperationsprojekt von erheblichem Umfang bedarf „Street Doc“ einer klar geregelten Trägerschaft. Diese übernimmt seit Beginn die Ökumenische Fördergemeinschaft Ludwigshafen. Die zuständige Fachstelle für Wohnraumsicherung der Stadtverwaltung Ludwigshafen hat „Street Doc“ als sinnvolle Maßnahme akzeptiert und unterstützt die Arbeit. Unter den Nutzern des Hilfsangebots herrschen Aufgeschlossenheit und Optimismus, seit die Zielrichtung des Projekts in Rahmen der bereits bestehenden Gruppenarbeit kommuniziert wurde.
Für Ludwigshafen ist ein Angebot wie „Street Doc“ neuartig. Wiewohl der Bedarf seit langem besteht, kann erst seit Oktober 2013 mit einer entsprechenden Maßnahme aufgewartet werden. Neu- bzw. andersartig ist die Multilokalität, die der Bedarfslage Rechnung trägt. Ein flexibel agierendes Fach-Team aus Medizinern, Zahnmedizinern, Psychologen, Verwaltungskräften und Sozialpädagogen garantiert für beste Voraussetzungen hinsichtlich einer kurzfristigen Umsetzung und einer langfristigen Angebotsgewährleistung. „Street Doc“ bietet nicht nur „Erste Hilfe“, sondern bezweckt zugleich Reintegration in professionelle Hilfe-Netze.